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    Farbe/Form/Raum von Katrin Vattes

    Zwei unterschiedliche Stränge lassen sich in Anna Roberta Vattes’ Arbeit finden, zum einen das zeichnerische Erkunden durch Linien und zum anderen das Schichten von Farbe auf geometrischen Körpern. Mit beiden Herangehensweisen erforscht sie Beziehungsgefüge von Objekten im Raum. So befragt die Künstlerin, ausgehend von der räumlichen Wahrnehmung, unsere Sichtweise auf die Welt, indem sie mit ihren Arbeiten das Potential der Veränderung auslotet. 

    Obwohl zweidimensional auf einem Blatt Papier, sind die zeichnerischen Arbeiten von Vattes räumlich erfahrbar. In ihren Zeichnungen überlagern sich die Liniengefüge, zahlreiche räumliche Ebenen werden sichtbar. Die Motive stammen aus ihrer alltäglichen Umgebung. Durch die Fragmentierung der zugrundeliegenden Konstellation von Dingen, durch die anschließende Drehung, Schichtung und neuartige Verknüpfung der Strukturen, entstehen andere, ganz eigene Sichtweisen und Raumachsen. Auch in der Farbigkeit lösen sich die Zeichnungen von der Realität, die Linien entstehen aus satten und leuchtenden Farbtönen. 

    Für ihre dreidimensionalen Arbeiten verwendet Vattes geometrische Körper; es entstehen Objekte, deren Maße stark variieren – von kleinen Boxen bis hin zu menschengroßen Quadern. Die hölzernen Flächen, aus denen die Körper zusammengesetzt sind, bearbeitet sie in zahlreichen Arbeitsschritten mit Farbe. Schütten, gleichmäßiges, langsames Auftragen, Abschleifen, erneutes Schütten bestimmen den Arbeitsprozess. So schichtet die Künstlerin eine Farbfläche auf die andere, die heruntergelaufene Farbe an den Seiten des Körpers spiegelt ein Farbprisma dieses Prozesses wider. Die oberste Schicht ist glatt, wirkt geschmeidig und transparent, sie birgt das Potential der vielen geschichteten Farben in sich. Es entsteht eine spezifische Materialität von Farbe, die visuell im Raum erfahrbar wird und sich nur begrenzt in Worte übersetzen lässt. Anna Roberta Vattes stellt mit ihren Arbeiten der vermeintlichen Wirklichkeit eine andere mögliche Wahrnehmung entgegen.


    Anlässlich der Katalogpublikation der MeisterschülerInnen der Hochschule für Künste Bremen, August 2013. Übersetzung / Translation: Nicolai Schorr, Guy Dale



    Zu den Zeichnungen
    von Hannah Regenberg

    Die Zeichnungen von Anna Roberta Vattes entstehen direkt aus der Betrachtung von Objekten, die sie umgeben. Dass ihr Interesse vor allem deren Konstellation gilt,            wird schon an der Wahl der Gegenstände deutlich: Oft sind es Ansammlungen von Dingen, die einander gleichen. Im Prozess des Zeichnens Vollzieht die Linie ihre Umrisse nach,       ohne allerdings deren Darstellung zum Ziel zu haben. Sie baut den Gegenstand nicht auf, sondern bewegt sich an ihm entlang. Dabei verliert sie sich immer wieder in seinen Maßen und verändert sie. Die Objekte werden auf diese Weise zum Ausgangspunkt für abstrakte Kompositionen.
    Die Formen in den Zeichnungen wiederholen, verschieben und überlagern sich. Einzelne Gegenstände oder Teile davon, die manchmal hervortreten und erkennbar scheinen, sind im nächsten Moment für den Blick verloren. Sie verbinden sich mit anderen Formen in ihrem Umfeld zu einem Geflecht, das mehrere Ebenen verschieden farbiger Linien ineinander verschränkt. Der Raum der formuliert wird ist ein anderer als der physikalische, in dem die Gegenstände voneinander abgegrenzt existieren und in dem man auf sie zugreifen kann.
    Obwohl es in ihr keine Undeutlichkeit gibt, scheint die Linie die Grenzen der Objekte aufzulösen. Sie lässt nichts verschwimmen; alle Kanten sind konsequent und linea übersetzt, dass die Flächen fast gläsern wirken. Nichts verdeckt sich im Bildraum gegenseitig, alles wird hell, leicht und zugleich unendlich kompliziert.
    Es ist nicht möglich, eine einzelne Form zu isolieren, ohne damit das gesamte Gefüge aus seiner transparenten und trotzdem undurchsichtigen Ordnung zu bringen.

    Anlässlich der Ausstellung "draw a line" in der Galerie 149 im Juni 2013






    Colour/Form/Space
 by Katrin Vattes

    Anna Roberta Vattes's body of work is dominated by two approaches: a graphic exploration of line and the layering of colour onto geometrical bodies. Both approaches investigate the relationship networks of objects in space. Vattes transforms and re-imagines spatial relations, challenging conventional perceptions of the world by fathoming within her works the potential of change.



    Although they are two-dimensional works on paper, Vattes's drawings are tangible in space. Overlaying linear structures emerge and become visible through repeated layering over the picture plane. The motifs are drawn from her everyday surroundings. By fragmenting, turning, distorting, rearranging and layering the basic order of things, unique relations and space axes are engendered. Here too colour is re-imagined and re-contextualised, leading to lines in rich, vivid, glowing shades of colour.



    Vattes's three-dimensional works consist of geometrical structures. From small box-like shapes to six-foot cuboids, the objects vary profoundly in size. The bodies are made up of wooden surfaces, which are then attended to in numerous steps with paint. The process consists of pouring, coating, sanding, and again pouring paint over the surface. The excess-paint running down the sides becomes a colour prism of this process. The top layer is smooth and transparent and ties the potential of the many layers underneath. A very specific materiality of colour emerges, which can be visually experienced in space, but which cannot adequately be translated into words. Anna Roberta Vattes's works confront the supposed and seemingly real with alternative possible perceptions.











     









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